Hemianopsie: Trainingsmöglichkeiten nach einem Schlaganfall

Was versteht man unter einer Hemianopsie?

Die Hemianopsie oder auch Halbseitenblindheit ist eine Sehstörung, die beispielsweise nach einem Schlaganfall, Hirnblutungen, einer Hirnoperation oder einer Tumorerkrankung auftreten kann. Sie geht auf eine Läsion im Verlauf der Sehbahn zurück und drückt sich in einer ein- oder beidseitigen Einschränkung oder dem Ausfall des Gesichtsfeldes aus. Als Gesichtsfeld wird der Bereich bezeichnet, den man sehen kann, wenn man mit beiden Augen geradeaus schaut und umfasst sowohl das zentrale als auch das periphere Sichtfeld. Oft ist der halbseitige Gesichtsfeldausfall durch die senkrechte Mittellinie des Auges begrenzt und tritt meist beidseitig auf, in seltenen Fällen ist nur ein Auge betroffen. Generell werden zwei Formen der Hemianopsie unterschieden: die homonyme und die heteronyme.

Man spricht von einer rechten oder linken homonymen Hemianopsie, wenn beide Augen auf der gleichen Seite betroffen sind. Dies tritt bei einer Schädigung der Sehbahn oder des Sehzentrums in nur einer Hirnhälfte der auf. In diesem Fall kann der Betroffene nur noch eine Seite des normalen Sichtfeldes wahrnehmen, entweder die Linke oder die Rechte. Auffällig ist das zum Beispiel im Alltag, wenn der Patient nur eine Hälfte seines Tellers leer isst, die andere aber unberührt lässt. Bei einer heteronymen Hemianopsie sind beide Augen betroffen. Der Ausfall betrifft die jeweils äusseren Seiten des Sichtfeldes, weshalb sie als “Scheuklappenblick” bezeichnet wird.

➤ Der Leidensdruck bei einer Halbseitenblindheit ist oft hoch, da Betroffene Personen und Gegenstände in dem geschädigten Bereich des Sichtfeldes nicht mehr gut sehen können.

Die ungewohnte Sichteinschränkung kann verwirrend sein, Patienten finden sich nur schwer allein zurecht und fühlen sich generell oft unsicher. So schwer wie die Einschränkungen, die mit einer Hemianopsie einhergehen, so vielversprechend kann auch eine Therapie der Sehstörung sein.

Hemianopsie Therapie

Im Falle einer Halbseitenblindheit gibt es verschiedene therapeutische Ansätze, die entweder auf die teilweise Wiederherstellung des Sehvermögens (Restitutionstraining) oder zumindest auf verbesserte Suchbewegungen im betroffenen Gesichtsfeld und damit einen möglichst guten Umgang mit den bestehenden Beeinträchtigungen abzielen (Kompensationstraining). Um die Sehfähigkeit zumindest teilweise wieder herzustellen, wird beim Restitutionstraining mit visuellen Licht-, Farb- und Formreizen gearbeitet. Diese Therapiemethode hat allerdings den Nachteil, dass bisher nur wenig oder schwache wissenschaftliche Evidenz seine Wirkung belegt. Ausserdem ist das Restituitonstraining äusserst teuer.

Das Kompensationstraining dagegen verfolgt einen ganz anderen Ansatz, indem die Augenmuskulatur gezielt trainiert wird. In selbstständigen Übungen oder auch gemeinsam mit ausgebildeten Therapeuten wie Neuropsychologen oder Ergotherapeuten wird mithilfe computergestützter Programme das Fokussieren auf bestimmte Punkte sowie gezielte Augenbewegungen und Suchstrategien geübt. Ziel des Sakkadentrainings ist es, das Orientierungsgefühl der von Hemianopsie Betroffenen zu verbessern und ihnen mehr Sicherheit im Alltag zu bieten.

Dieses Augentraining findet entweder unter therapeutischer Anleitung oder in selbstständigen Übungen Zuhause statt. Mit einem Therapeuten kann es Strategien wie die Arbeit mit Papier und Bleistift umfassen, wobei Worte oder Zahlen ausgestrichen werden oder praxisnahe Spaziergänge, bei denen der Betroffene gebeten wird, bestimmte Gegenstände im Bereich seines geschädigten Sichtfeldes zu suchen. Ausserdem und ergänzend dazu gibt es Computerprogramme wie den Sakkadentrainer, die mithilfe eines von Übungen am Bildschirm die Augenmuskulatur trainiert wird. Dabei werden beispielsweise ein- bis mehrstellige Zahlen sowie Buchstaben verwendet, die auf dem Bildschirm erscheinen. Der Patient hat die Aufgabe, diese mit der Maus zu berühren und wird jeweils auditiv und visuell belohnt, wenn er eine Zahl oder einen Buchstaben gefunden hat. Am Ende einer Aufgabe, wenn alle Zahlen bzw. Buchstaben berührt wurden, wird seine Schnelligkeit beim Lösen der Aufgabe ausgewertet..

 

Was bringt die Therapie?

Die Erfolge eines Sakkadentrainings hängen sehr vom individuellen Krankheitsverlauf, dem Ausmass und der Form der Hemianopsie ab. Generell gilt, dass je früher nach dem Auftreten der Halbseitenblindheit eine Therapie begonnen wird, desto höher die Chancen auf eine deutliche und nachhaltige Verbesserung sind.

➤ Da es sich im Grunde um ein Training der Augenmuskulatur handelt, kann das Sakkadentraining jederzeit begonnen werden und hat auch bei Menschen, die schon 10 Jahre an einer Hemianopsie leiden, noch grossen Erfolg.

Um den Erfolg der Sakkadentherapie wissenschaftlich zu belegen und besser messbar zu machen, fordern Wissenschaftler weitere Studien. Denn obwohl diese Therapieform in der Praxis bereits Erfolge vorzuweisen hat und auch Wissenschaftler bereits positive Veränderungen fanden, sind weitere hochwertige randomisiert-kontrollierte Studie notwendig um die bisherigen Resultate zu bestätigen.

 

 





Interested? Register now free and without obligation for a 14 day trial version of the saccadic training: